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Lift - Licht - Raum

Gratulation, liebe Gemeinde am Georgenberg!

 
Nach vieljährigen Bemühungen ist die Gemeinde am Georgenberg zum Jahresende 2017 in ihren Bemühungen um einen barrierefreien Zugang und der dringend notwendigen Verbesserung des räumlichen Angebotes dort, wo sie schon im Jänner 2014 war.
Damals hat uns das Bundesdenkmalamt (BDA) gratuliert. Die in vielen Monaten gemeinsam erarbeitete Lösung hat ein, für beide Seiten, gutes Ergebnis gefunden.
 
Heute gratulieren uns andere. Wir haben vom Bundesverwaltungsgericht Recht bekommen. Denn die anfängliche Zustimmung des BDA wurde, nach Intervention von Arch. Fritz Mayr, wieder zurückgenommen. Mehrere Einreichungen und Gutachten haben uns letztlich alle Zustimmungen und positiven Bescheide erbracht. Allein der Bescheid des BDA hat gefehlt. Nach 18 Monaten Dauer und Beschwerde unsererseits, wegen Verletzung der Entscheidungspflicht, kam ein negativer Bescheid. Gegen diesen haben wir binnen 3 Wochen einen umfangreichen Einspruch, in Form einer Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) erhoben. Von diesem Gericht haben wir nun endgültig Recht bekommen.
 
Das Denkmalschutzgesetz sagt es ohnehin eindeutig. Demzufolge ist „einem Antrag auf Veränderung  eines, dem Gottesdienst gewidmeten Denkmals (samt zugehörigen Nebenobjekten), …. soweit stattzugeben, als die Veränderung für die Abhaltung des Gottesdienstes und der Teilnahme der Gläubigen daran …. notwendig ist“. Als notwendig gelten auch „…. jene Umstände, die den Gläubigen die regelmäßige Teilnahme am Gottesdienst in ausreichendem Maße und in zumutbarer, würdiger Weise, ermöglicht“. (Auszug aus dem Denkmalschutzgesetz  - DMSG §5 Abs. 4).
Von kirchlicher Seite haben die Notwendigkeit zuerst der Baudirektor der Diözese, später der Kanzler der Diözese und zuletzt sogar der Kardinal, bestätigt.
 
In der Urteilsverkündigung des Bundesverwaltungsgerichtes heißt es u.a.:
„Das BVwG hält fest, dass gerade eine Kirchengemeinde geprägt ist durch die Pluralität ihrer Mitglieder und sind – wie die Erfahrungen des täglichen Lebens zeigen – gerade Familien mit Babys und Kleinkindern sowie ältere, gebrechliche und kranke Menschen aktiver Bestandteil der Kirche, welche von den gemeinsamen liturgischen Veranstaltungen nicht separiert werden sollen. Im aktuellen Zustand ist ….. eine umfassende Teilnahme ….. nicht in ausreichender, zumutbarer und würdiger Weise für alle Mitglieder der Kirchengemeinde möglich.“
Erwähnenswert ist auch die zitierte Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes aus dem Jahre 1995, wonach „...das DMSG keinen umfassenden Umgebungsschutz kennt.“
 
Recht bekommen bedeutet in diesem Fall auch: Eine Kirche darf Kirche sein mit allen Aufgaben, die man mit ihr in Verbindung bringt.
 
Die Initiatorin der Kirche, Dr. Margarete Ottillinger, hat die Aufgabe dieses Bauwerkes einmal so definiert: „ … sie (die Kirche) muss wie eine Burg sein, die fest steht im Ansturm des Atheismus und der Gleichgültigkeit der Menschen von heute“.
In dieser Kirche wird weniger definiert was Atheismus ist, dafür aber um so deutlicher, was gelebter Glaube ist. In der Geisteshaltung die hier gelebt wird, erfüllt die Gemeinde die Aufgabe, die Dr. Ottillinger benannt hat.
Wotruba selbst hat auch von diesem Geist gesprochen. Schon in der Planungsphase wurde er von konservativen Kreisen kritisiert. „Die Meinung der Architekten war äußerst negativ“
(Dr. M. Ottillinger). Und Wotruba sagte damals: „Der Geist der Kirche ist in Bewegung. Warum sollte ihr Gebäude in Bewegungslosigkeit erstarren?“ Kirche in geistiger Bewegung, das wird hier gelebt, und das entspricht dem, was ihre Initiatorin meinte. Hier hat sie noch, in der Freude über das, was an diesem Ort sich entwickelt hat, ihren 70. Geburtstag gefeiert.
 
Recht bekommen bedeutet in diesem Fall auch: Das Werk von Fritz Wotruba bleibt unberührt.
 
Mit großem Respekt hält der Aufzugüberbau Abstand von der Kirche, nämlich 8,5m. Wotruba hat seinerzeit einen Abstand von 4m als freien Umgang gefordert. Bekanntlich hat Wotruba die kleine Parzelle, die auch heute noch das Areal der Kirche ist, nur unter der Auflage bekommen, dass er keinen Einwand gegen den schon geplanten Schulbau hat. Und er hatte keinen, obwohl die Schule die Kirche überragt und an zwei Seiten umschlossen hätte. Sie wurde letztlich doch nicht gebaut.
Heute säumen die Bäume des anschließenden Waldes (Gemeinde Wien und Schutzgebiet Natura 2000) anstatt der Schule, die Kirche.
 
Recht bekommen bedeutet in diesem Fall auch: Realisierbare und normgemäße Barrierefreiheit.
 
Alle, die schon seit vielen Jahren in diese Kirche gehen, können auch künftig das oberste Niveau erreichen, auch dann, wenn das Leben schon schwierig geworden ist. Natürlich gilt das auch für jene, die mit einem Kinderwagen Probleme haben. Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, muss nicht mehr umkehren. Von kulturellen Veranstaltungsstätten bis zu Apotheken kann man heute Barrierefreiheit als selbstverständlich erwarten. Bald auch bei uns.
Jetzt dürfen wir uns freuen und all jenen gratulieren, die eine Erreichbarkeit unserer Kirche in beiden Ebenen in ausreichender, zumutbarer und würdiger Weise erleben dürfen.
Es gilt, was die Kuratorin der Fritz Wotruba Privatstiftung, als sicher sehr profunde Kennerin aller Werke von Fritz Wotruba, gesagt hat: „Bauliche Maßnahmen, die ermöglichen, die Zugänglichkeit und Nutzung sowie die weitere Wahrnehmung dieses bedeutenden monumentalen Kirchenbaus der Moderne zu begünstigen, stellen auch eine Förderung der Rezeption des Werkes des österreichischen Bildhauers Fritz Wotruba dar.“
 

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