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10. Jänner - Taufe Jesu

 

Taufe Jesu: Gestaltet von Ulrike und Richard Allum (hier 2019 am Jordan, Taufstelle)

Einleitung:

Heute hören wir von einem Ritual vor einem Neubeginn.. in einer ver-rückten Zeit.. in einer Zeit der ehrenlosen Herrscher, der Unterdrückung und der großen Sehnsucht. Da geschieht eine Zusage, die stärkt, die trägt, die aber auch herausfordert.. auf jeden Fall die hält, was immer auch geschieht. Wir hören heute von der Taufe Jesu als Start seines neuen Weges…mitten hinein in diese ver-rückte Welt des Israels der damaligen Zeit.

 

Kyrie

+ Stärkende Zusagen sind so heilsam. Sind meine Sinne offen, diese wahrzunehmen?

Herr, erbarme dich unser!

+ Stärkende Zusagen zu schenken braucht wache Sinne. Wann und wie habe ich zuletzt jemanden durch meine Zusage gestärkt?

Christus erbarme dich unser!

+ Stärkende Zusagen in der Frohen Botschaft sind wertvolle Schätze. Nehme ich mir Zeit, auch außerhalb des Gottesdienstes, diese Schätze zu heben? Und wie?

Herr, erbarme dich unser!

 

Lesung: 1 Joh 5,1-9

…..in heutiger Sprache nach dem Laacher Messbuch

Die echte Gemeinschaft mit Jesus Christus erschließt uns ganz neue Perspektiven und Lebensenergien.  Der Einzelne teilt mit all den anderen, die mit ihm zu der Christusgruppe gehören. Sie halten sich an die Regeln der Nächsten- und Feindeslieben, was jedem einiges abverlangt. Doch wie sonst könnte der verheerende Kreislauf von Missachtung, Vorurteil und Gewalt durchbrochen werden! Anfangen müssen wir immer bei uns selbst und in der eigenen Gemeinschaft. Dennoch- wenn er Einzelne und die Gruppe nicht immer wieder Stärkung und Motivation erfahren würden, müssten, bildlich gesprochen, alle „die Segel streichen“. Es ist der eine Geist, der uns alle immer wieder bewegt, das eine Bekenntnis, das uns alle stärkt, und die eine Mahlgemeinschaft, die den Hingabetod und die Auferstehung Jesu Christi gegenwärtig setzt. Das ist unser Lebenselexier des Glaubens. Man kann es annehmen oder ablehnen.

 

Evangelium: Mk 1,7-11

 

Zeugnis:

„Zieh dich warm an!“.. das sagt der Milchmann Tewje im Musical „Anatevka“ beim Abschied zu seiner Tochter, die ihrem Mann nach Sibirien nachreist.

Für mich ist das zärtliche Elternliebe.. die da ist, auch ihrem erwachsenen Kind gegenüber.

Auch Jesus bekam diese fürsorgende Liebe zugesagt.. sicher schon bei ihm zuhause in Nazareth,.. aber auch am Jordan ausdrücklich von Gott. Am Beginn seines ureigenen Weges.

Ja, heute geht es um Zusage, darum, jemanden etwas Gutes zuzusagen und was das für einen Menschen bedeutet.

 Drei Gedanke dazu möchte ich euch dazu mitgeben.

„er stieg aus dem Wasser“ ..

Ja, wir sagen heute doch auch: „Da wird etwas Neues aus der Taufe gehoben“. Da ist ein Beginn, da nimmt etwas Gestalt an, was werden will. Wir werden uns in solchen „Beginnmomenten“ bewusst, dass es da um Einzigartigkeit, um Identität geht. Das kann ein neues Wandertagebuch sein, aber auch ein neuer Lebensabschnitt.

Ich war am Jordan, habe dort eine Tauferneuerung miterlebt. Da tauchte der Mann unter, das Wasser ist trüb.. und dann.. dieses beglückte Auftauche… diese Beginnfreude zu sehen war sehr bewegend für mich.

Markus erzählt uns, literarisch elegant komponiert, von Jesus und seinem Anfangsritual der Taufe.. er kommt vom Dunkel ins Licht, er taucht auf, er steigt aus dem Wasser.. er ist bereit. Das alles aber geschieht von Johannes, seinem Cousin, begleitet.

Somit schenke ich dir den ersten Impuls:

Frage dich am nächsten neuen Tag: Wem vertraue ich als Begleitung, wenn ich Neues „aus der Taufe hebe“, wenn ich einen neuen Weg einschlage?

 

„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“

Da dürfen wir mithören: „Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“

Jesus erhält diese Zusage Gottes, er persönlich.. es  heißt nicht „Er ist…“ sondern  „Du bist…“ Das ist eine unverbrüchliche Zusage..  das ist auch eine Botschaft an uns.. Wenn Jesus uns immer wieder Gott als Vater ans Herz legt, dann ist Jesus unser Bruder, dann gilt diese Zusage auch für uns.. für die Söhne und Töchter Gottes- gleichwertig.. das meint  eben auch:

„Du bist meine geliebte Tochter, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“

Ehrlich, ich bin froh, dass ich hier in unserer Gemeinde diese Gleichwertigkeit spüre, dass Frauen wie Männer je nach ihren Charismen hier an Gottes Reich mitbauen können. Doch in der Weltkirche vermisse ich oft schmerzlich diesen charismenoritentierten Zugang zu den Ämtern.  Was ist das für ein Denken, dass 50% der Weltbevölkerung wegen ihrer Geschlechtlichkeit Fähigkeiten abspricht? Wann wird Frauen der freie Zugang zu den Weihen zugesagt?  Wie lange müssen wir noch diese patriachalen Machtstrukturen ertragen?

Wir brauchen positive „Du bist…“- Zusagen, um bei diesen Baustellen nicht zu verzagen und um uns für eine echte Gleichberechtigung von Mann und Frau einzusetzen.

Frage dich gleich heute beim Nachhausgehen: Ermutige ich durch meine „Du bist..“ -Zusagen Menschen, ihre Talente zu entdecken und trete ich für eine Gleichwertigkeit von Mann und Frau ein?

 

„.. Da riss der Himmel auf und der Geist wie eine Taube kam auf ihn herab“

Markus komponiert auch die Taube in diese „Startszene“ mit hinein. Das Wörtchen „wie“ ist es, das uns wieder zeigt, dass hier ein Bild geschaffen wird.

Ein Bild für eine eigentliche Wahrheit, jenseits unserer Sinneswelt. Wie eine Taube, wie etwas zwischen Himmel und Erde… Die LeserInnen des Markusevangeliums, wussten um die Symbolbedeutung dieses Tieres: Opfertier, aber auch Symbol in vorbiblischen Kulturen für Harmonie und sexuelle Dualität für Frau und Mann und Attribut der Göttin Venus. Für uns heute ein Zeichen des Hl.Geistes und des Friedens.

Die Taube bei der Taufe Jesu ist für mich somit ein Zeichen für diese immer wieder überraschenden Gottesbotschaften an uns …oft nur einen Flügelschlag lang…..sanft, aber voller Vitalität..  eine geistvolle Zusage für die Söhne, und Töchter Gottes! Da reißt doch der Himmel auf! Da wird es hell!

Frage dich schon heute beim Abendgebet: Was hat heute meinen Himmel aufgerissen, was hat ihn hell gemacht? Wo spürte ich diesen vitalen Geist Gottes?

Wenn die Wolken aufreißen, dann wird es sonnig, dann ist da Hoffnung, Freude, Aufatmen. Das ist Christin, Christ sein. Fürchte dich nicht, denn Gottes unverbrüchlicher Treue dürfen wir sicher sein:

„Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“

 

 Fürbitten:    

Gott unseres Lebens, wir bitten dich:

+ Für alle, die in diesem Jahr getauft und gefirmt werden. Schenke ihnen in ihrem Neubeginn Wegbegleitende, die sie für die befreiende Botschaft deines Sohnes begeistern.

+ Für alle, die Frauen in ihren Rechten auf Gleichwertigkeit unterstützen.

+ Für alle, Kranken, Einsamen, Traurigen, Suchenden: Schenke du ihnen stärkende Zusagen in ihrer Not.

+ Für alle Verstorbenen, für unseren himmlischen Franz. Lass ihr Andenken unseren Glauben an unsere eigene Auferstehung, an ein Heimgehen ins „Drüben“ stärken.

Wir bitten dich erhöre uns!

 

Segen:

Der liebende Gott stärke uns im Glauben, lenke unsere Schritte auf den Weg des Friedens und Liebe.

Im Namen des Vaters, durch den Sohn im Heiligen Geist. AMEN

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Kommentare

Rituale: Ich habe es mir in Zeiten des Lock Down zum Ritual gemacht, anstatt der Messe am Georgenberg auf die Georgenberg Homepage zuschauen.
Heute wurde ich reichlich durch Eure Worte und Gedanken belohnt. Danke dafür.
Vorallem die unmittelbaren Anstöße, Eure Aussagen auf mich zu reflektieren, fand ich sehr anregend.
Ihr habt mir auch bewusst gemacht, welch gottesgeliebtes Kind ich bin, weil ich in einer christlichen Familie aufwachsen durfte und mir von vielen Wegbegleitern bis hin zu unserem Franz ich immer wieder meine Gotteskindheit bestätigt wurde.
Ich fühle mich mein Leben lang als Begnadeter, zuletzt durch Eure Worte. Ich danke Euch von ganzem Herzen dafür .
Ich segne Euch!

In christlicher Nächstenliebe
Euer Bruder in Christus
Willi

Liebe Ulrike, lieber Richard!

Mit Euren Texten habt Ihr den Geist des Georgenbergs wunderbar aufleben lassen, in einer Zeit, in der uns die physische Gemeinschaft so abgeht. Sobald ich geimpft bin werde ich Euch ganz fest umarmen. Wir haben nicht nur einen "himmlischen Franz", sondern Gott sei Dank so himmlische Frauen und auch Männer wie Euch, an denen Gott sein Wohlgefallen hat. Und eine Anregung an Richard: sag öfter: "mein Täubchen" zu Ulrike.

Danke,danke,danke!          Peter Püspök