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2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B 17. 01. 2021

Liebe Gemeinde!

Auch wenn wir den tiefen Wunsch haben einander persönlich zu sehen, werden wir noch etwas Geduld brauchen, bis es soweit ist. Deswegen möchten diese Zeilen eine Hilfe sein unsere kleine und persönliche Feier zu halten.

Und wir dürfen an Gottes Gegenwart glauben und sagen: Der Herr ist mit uns.

Und wir dürfen das bestätigen indem wir sagen: Ja. Ja er ist mitten unter uns.

 

Im heutigen Evangelium verweist Johannes der Täufer auf den vorübergehenden Jesus. Und er bezeichnet ihn als das „Lamm Gottes“. Für seine Schüler, die ihm zuhören, wird das wohl ein verständlicher Begriff gewesen sein. Das Lamm war für die Juden ein Sinnbild der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen.

Wir dürfen uns am Beginn dieser Feier auch fragen, wo wir der Verzeihung und Versöhnung bedürfen. Denken wir im Stillen darüber nach.

 

Kurze Pause

Herr erbarme dich unser.

Christus erbarme dich unser.

Herr erbarme dich unser.

 

Und so dürfen wir beten:

Guter Gott, verzeihe unsere Fehler und Nachlässigkeiten und gib uns den Willen dich und dein Wort zu suchen. Darum bitten wir durch Jesus unseren Bruder. Amen.

Gott sei Lob und Preis und Dank. - Und wenn wir wollen, sind wir auch eingeladen ein Gloria singen.

 

Tagesgebet:

Wir wollen beten:

Guter Gott, in dir ist Sicherheit und Beheimatung. Lass uns das geistige zu Hause bei dir finden. Darum bitten wir durch Jesus, unseren Bruder. Amen.

 

Lesung: 1 Sam 3,3b-10.19

 

Halleluja

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

 

Evangelium: Joh1,35-42

Wo ist Gott zu Hause?

Wahrscheinlich werden wir heute öfter nach unserer Mailadresse als nach unserer Wohnadresse gefragt. Meist sagt die Wohnadresse aber mehr aus. Sie hat z.B. die Information in sich ob städtisches oder ländliches Gebiet, ob naheliegend oder entfernt. Vielleicht verbinden wir mit der Wohnadresse ein Preisniveau oder auch ein soziales Umfeld.

Wenn wir aber mehr wissen wollen müssen wir schon näher hinsehen.

 

Im Evangelium wird auch die Frage gestellt: „Wo wohnst du?“ oder „Wo bist du zu Hause?“.

Zwei Jünger von Johannes dem Täufer werden auf Jesus aufmerksam gemacht, sie gehen ihm nach und stellen diese Frage. Die Antwort ist keine Angabe zur Adresse, die Antwort ist eine Einladung: kommt und seht; kommt einfach mit und seht selbst. Und die beiden Fragenden lassen sich darauf ein. Sie sind offensichtlich Suchende, und Johannes der Täufer hat ihnen einen Hinweis gegeben, dem sie folgen.

Das Johannesevangelium ist in vielem anders  als die drei älteren Evangelien. „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“. So heißt es schon im Prolog. Das ist eine mystische Ansage statt einer Geburtserzählung und bedeutet, dass in Jesus das Wort Gottes unter den Menschen wohnt. Die Berufung der ersten Jünger Jesu ist im Johannesevangelium auch ganz anders. Zunächst gehen die Suchenden auf Jesus zu. Sie fragen sich, wo ist er zu Hause. Es ist nicht wie bei den Synoptikern eine Berufung der ersten Fischer zu „Menschenfischern“. In der Johanneischen Gemeinde geht es in einer heidnischen, fremden Umgebung sehr stark um das Zusammenleben und Zusammenwohnen.

Wo und wie sind sie dort zu Hause.

Daher die Frage der ersten Jünger an Jesus: wo bist du zu Hause?

Sich einlassen

Wenn Regierungen oder Parteien eine gemeinsame Orientierung und Ausrichtung suchen, dann gehen sie in Klausur. Das machen auch Unternehmen. Das macht z.B. auch das Leitungsteam unserer Gemeinde. Das machen, ganz spontan, auch die Jünger, die Jesus nachfolgen. Sie bleiben den Rest des Tages bei Jesus. Sie, die Suchenden, lassen sich auf Jesus ein. Dort, wo er wohnt, erfahren sie wo er geistig zu Hause ist. Sie erfahren es weil sie eine Orientierung im Geistigen suchen und weil sie sich auf Jesus einlassen.

Eine Wohnung bereiten

Wo Jesus wohnt und wie er wohnt wird nicht beantwortet. Es geht hier auch nicht um eine Ortsangabe und einen Lebens- und Wohnstil. Gerade im Johannesevangelium geht es darum, wo wohnt Gott. Jesus kann mit seinem Leben die Frage beantworten. Sagt doch das Johannesevangelium von Jesus: Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen (Joh 14,9). Und der Samariterin erklärt Jesus, dass Gott überall angebetet werden kann (Joh 4,21ff). Es gibt keine örtliche Fixierung. Die Wohnung Gottes ist unter den Menschen. Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

In Fortsetzung des Johannesevangeliums heißt es dann im 1. Johannesbrief: „Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns (1Joh, 4.12). Gott wohnt in uns, und mitten unter den Menschen.

Einladen

In den Abschiedsreden des Johannesevangeliums spricht Jesus zu seinen Jüngern nochmals vom Wohnen. Dort heißt es z.B. „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn liebe und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen“ (Joh 14,23). Gott wohnt, wo liebende Menschen sind. Ist die Wohnung Gottes unter den Menschen auch bei mir erkennbar? Stellen wir uns ein paar Fragen (die wir in aller Stille weiter überlegen können).

° „Wenn jemand Gott sucht, eine geistige Beheimatung, bin ich eine Einladung dafür?

   Z.B. durch mein Anteilnehmen an Leid und Freude meiner Mitmenschen?

°Wenn jemand Gott sucht, eine geistige Beheimatung, bin ich eine Einladung dafür?

   Z.B. durch meine Art zu leben, sodass sich andere daran orientieren können und ihre    Lebensziele ausrichten können?

°Wenn jemand Gott sucht, eine geistige Beheimatung, bin ich eine Einladung dafür?

   Z.B. um auf die Geborgenheit im Glauben zu verweisen, auch auf den Ge(b)orgenberg?

 

Wenn jemand sagt „Wo wohnst du?“ sage ich „komm und sieh?“

Halten wir ein wenig Stille um unseren eigenen Gedanken nachzugehen.

 

Fürbitten

Guter Gott, du bist ein Gott unter den Menschen, du bist uns nahe. Darum kommen wir voll Vertrauen mit unseren Anliegen zu dir.

°Heute ist der Tag des Judentums. Einen Tag vor dem Beginn der Gebetswoche für die   Einheit der Christen, denken wir an die Wurzeln des Christentums.

  Guter Gott, gib uns Christen, gib allen Menschen den Geist der Versöhnung und der   Geschwisterlichkeit.

  Darum wollen wir bitten.

 

°Jesus, deine Eltern und Geschwister, Johannes der Täufer, die Apostel, ja die meisten   Personen, die in der Bibel genannt werden, sind Juden.

  Guter Gott, wir bitten dich um unser Verstehen und unsere Achtung für unsere „älteren   Geschwister“.

  Darum wollen wir bitten.

 

°In Jesus ist das Wort Fleisch geworden. Gott lebt unter uns Menschen.

  Guter Gott lass uns deinen Geist aufnehmen, und lass ihn unter uns und in uns wohnen.       Gib uns Mut deinen Willen zu leben und lass uns deine Zeugen sein.

  Darum wollen wir bitten.

 

° Wir sind jetzt eingeladen unsere ganz persönlichen Anliegen Gott zu bringen.

  Das, was uns bedrückt

  und das, wofür wir Dank sagen.

 

Guter Gott, lass unsere Anliegen bei dir gut aufgehoben sein.

Wir sagen aber auch „dein Wille geschehe“.

Schließen wir jetzt das „Vater unser“ an.

 

Wünschen wir nun einander den Frieden des Herzens.

Den Frieden für die Streitsüchtigen, den Frieden für die Ruhelosen und den Frieden für die, die kein zu Hause finden.

Friede sei mit uns.

 

Schlussgebet

Jesus hat uns eingeladen zu sehen wo er wohnt.

Die Evangelien berichten, was es heißt bei ihm zu Hause zu sein.

Guter Gott begleite uns, wenn wir uns auf Jesus einlassen und gib uns deinen Segen.

 

Es segne uns der gütige Gott,

der Vater durch den Sohn und im Heiligen Geist. Amen.

 

Habt einen erfüllten Sonntag und eine gute Woche (im Gebet für die Einheit der Christen).

Bis bald, Hubert, euer Diakon

 

Für die 8 Tage* der Gebetswoche für die Einheit der Christen gebe ich euch ein paar Anregungen zum Betrachten:

(Entnommen den Unterlagen für die Vorbereitung dieser Woche)

1. Tag:  Von Gott berufen – „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“          (Joh 15,16a)

2. Tag:   Innerlich reifen – „Bleibt in mir und ich bleibe in euch“ (Joh 15,4a)

3. Tag:   Ein Leib sein – „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“ (Joh 15,12b)

4. Tag:   Gemeinsam beten – „Ich nenne euch nicht mehr Knechte … Vielmehr habe ich            euch Freunde genannt“ (Joh 15,15)

5. Tag:   Sich durch das Wort verändern lassen – „Ihr seid schon rein durch das Wort“    (Joh15,3)

6. Tag:   Andere willkommen heißen – „Ich habe euch … dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt“ (Joh 15,16b)

7. Tag:   Wachsende Einheit – „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Joh 15,5a)

8. Tag:   Versöhnung mit der ganzen Schöpfung – „damit meine Freue in euch ist und damit     eure Freude vollkommen wird“ (Joh 15,11)

             

*vom 18. bis zum 25. Jänner

Kommentare

Ich danke von ganzem Herzen für diese Texte. Ich konnte sie gut verstehen und in mich "einsickern" lassen.
Ja, es geht immer darum, ob ich mich als Berufender fühle und als solcher lebe.
Die Texte haben mir viele Anstöße gegeben. Ich werde versuchen, sie anzunehmen und konsequent in meinem Leben umzusetzen.
Nochmals herzlichen Dank.
Willi
PS: Ich bin ein Formalist und so tut es mir leid, doch etwas anführen zu müssen, was mich und möglicherweise auch andere stört: Die Texte verlieren an Wirkung durch den unprofessionalen Satz. Beim Lesen musste ich mich konzentrieren, dadurch beim Text zu bleiben.
Ich kann den "Gestaltern" gerne Tipps geben, wie man vorgehen kann, so dass auch der Satz professineller wird. Bitte gebt mir Bescheid, dann nehme ich mir gerne Zeit dafür.
Ich hoffe mit dieser Bemerkung niemand gekränkt zu haben. Das täte mir leid und ich entschuldige mich dafür.
Herzlich Euer Willi