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Sonntag in der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2021 - 24.01.2021

Liebe Gemeinde!

Noch immer müssen wir einen großen Abstand halten, und können daher nur über dieses Medium kommunizieren. Wir hoffen aber, dass wir bald wieder den Zuruf hören:

„Der Herr ist mit uns“. Und wir können antworten: „Ja, er ist mitten unter uns“.

So möchte ich euch herzlich begrüßen und einladen diese Texte im Gedenken der Verbundenheit untereinander zu lesen. Vielleicht ist es Euch möglich, mit dieser Unterlage einen persönlichen, ganz eigenen Wortgottesdienst zu feiern. Allein oder in kleiner Gemeinschaft.

Heute ist der Sonntag in der Gebetswoche für die Einheit der Christen. In unserem Dekanat war ursprünglich, noch vor Corona, geplant, dass diesmal wiederum die Evangelische Kirche in Liesing der Gastgeber für einen gemeinsamen Gottesdienst ist. Aber selbst eine reduzierte Form der Feier geht sich nicht aus. Es besteht aber die Absicht am Pfingstmontag das nachzuholen. Dieser Tag hat in unserem Dekanat auch schon eine ökumenische Tradition.

Die Lesungen sind den Vorschlägen für den ökumenischen Gottesdienst entnommen. Z.B. auch die Lesung aus dem 1. Korintherbrief. Dort appelliert Paulus an seine Gemeinde sie mögen einmütig sein. So dürfen wir uns selbst, unserer Gemeinde und auch der Kirche als Ganzes einige Fragen stellen.

In Korinth gab es Parteiungen. Es bestand die Versuchung sich hinter einzelne Verkünder zu stellen. Und Paulus fragt: ist denn Christus geteilt.

Herr erbarme dich unser.

 

Schon die vier Evangelien verweisen auf eine Vielfalt in der Urkirche. Vielfalt ist oftmals eine Bereicherung.

Christus erbarme dich unser.

 

Änderungen werden auch durch viele kleine Anstöße bewirkt. Dem stehen aber Interesselosigkeit und Bequemlichkeit gegenüber.

Herr erbarme dich unser.

 

So wollen wir beten:

Guter Gott, die Spaltungen in deiner Kirche sind ein Skandal. Wenn Menschen in Bezug auf den Glauben an dich anders sind, lass uns auf sie zugehen, sie anhören und annehmen. Darum bitten wir durch Jesus, der uns Freunde genannt hat. Amen.

 

Lesung: 1Kor 1,10-13a

Komm, göttliches Licht, erleuchte die Erde, erfüll‘ unsere Herzen, nimm Wohnung in uns.

(Lied, Text u. Musik aus der Gemeinschaft Gandchamp)

 

Evangelium:Joh 15,1-17

Annäherung

Wir sind am Ende der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Seit vielen Jahrzehnten beten die Christen in aller Welt um die Einheit. Und oftmals wird ein Satz aus dem Johannesevangelium zitiert. Zum Abschluss der Abschiedsreden betet Jesus dort: „..sie sollen eins sein …“ (Joh 17,22)

Die Johanneische Gemeinde, an die das adressiert ist, ist einen anderen Weg gegangen als jene Gemeinden, für die die anderen, die synoptischen, Evangelisten geschrieben haben. Sie war in ihrem Bestehen durch Personen die spalten wollten, in ihren eigenen Reihen, sehr bedroht. Aber die kleine Gemeinde war bemüht mit der größeren Kirche in Kontakt zu bleiben, um an sie angeschlossen zu sein. Das muss man zunächst als Hintergrund für den Appell sehen „...sie sollen eins sein…“. In der schon damals erkennbaren Vielfalt galt es die Verbundenheit zu leben.

Für die heurige Gebetswoche haben die Textverfasserinnen ihr Thema auch aus dem Johannesevangelium gewählt:

„Bleibt in meiner Liebe und ihr werdet reiche Frucht bringen“ (Joh 15,8-9). Die Verfasserinnen sind Frauen aus der monastischen Gemeinschaft von Grandchamp. In diesem Ort in der französischsprachigen Schweiz leben heute etwa 50 Schwestern in einer Gemeinschaft. Sie sind aus verschiedenen Generationen und unterschiedlichen kirchlichen Traditionen, Ländern und Kontinenten. Sie leben die Vielfalt und sind eins.

Die Textverfasserinnen haben zum Thema einige Erläuterungen gemacht, aus denen ich einen Gedanken herausheben möchte. Es geht um den Einklang. Wir können den Einklang hier auf unterschiedlichen Ebenen sehen. Es geht dabei um jede und jeden Einzelnen, es geht um Gott und die Verbundenheit mit ihm, und es geht um die Gemeinschaft.

 

Einklang mit mir selbst

Wir dürfen uns als Ausgangspunkt die Frage stellen, ob ich selbst in Einklang mit mir bin. Kann ich mich selbst annehmen, so wie ich bin? Ich bin eine Persönlichkeit mit einer eigenen Geschichte, mit meiner persönlichen Vergangenheit und Gegenwart. Kann ich mich annehmen mit dem, was ich bin und auch nicht bin? Es geht bei der eigenen Akzeptanz nicht um die Verweigerung meiner Entwicklung, sondern um die Versöhnung mit mir selbst.

Wenn wir die Selbstakzeptanz als eine Grundlage für die Bemühungen in der Ökumene sehen, so möchte ich als erstes das folgende Zitat - „Bleibt in meiner Liebe“ (Joh 15,9b) -heranziehen. Die Basis für das Annähern, das Verstehen und das Versöhnen ist die Haltung der Liebe. Freilich muss sie so stark sein, dass sie die gnadenlosen Rechthaber, Prinzipienreiter und unbarmherzigen Wortklauber aushält. Aber dann kann auch der Einzelne die Annäherung, das Verständnis und die Aussöhnung fördern.

 

Einklang mit Gott

Der zweite Einklang ist der mit Gott in Jesus.

Wenn wir die Gebote, die Jesus uns aufgetragen hat, halten, dann ist es vergleichbar mit dem Verhältnis Jesu zu seinem Vater: „...wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe“. (Joh 15,10)

Und jetzt folgt eine wunderbare Konsequenz Jesu: „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist …“ (Joh 15,11). Die Freude ist die Folge der Liebe. Ein Mensch, der liebt strahlt Freude aus. Es wird uns nicht immer gelingen, aber grundsätzlich wäre das die logische Konsequenz, wie es nicht nur die Johanneische Gemeinde sieht.

Wenn wir die Freude als Grundlage für die Bemühungen in der Ökumene sehen, dann wirken frohe, freudige Menschen einfach anziehender und sie überwinden leichte Gegensätze. Ein fröhlicher Mensch geht die Überwindung von Hindernissen gelassener und zuversichtlicher an.

Ist das nicht eine Haltung, die aus der Verbundenheit mit Jesus kommt. Er ist der Weinstock und wir sind die Reben. Die Reben haben die Aufgabe Frucht zu bringen. Auch in der Ökumene.

 

Einklang in Gemeinschaft.

Der dritte Einklang ist der in und mit der Gemeinschaft. Wir alle sind in kleine oder größere Gemeinschaften hineingeboren, hineingewachsen, hineingestellt. Das ist die Familie, der Freundeskreis, die Wohngegend und auch die Bekenntnisgemeinschaft. Die Kirche im Kleinen und Großen.

Wenn wir Jesu Auftrag folgen, werden wir sein Gebot der Nächstenliebe beherzigen. Die kleine oder größere Gemeinschaft, die Familie, der Freundeskreis oder die Gemeinde, brauchen oftmals unsere Solidarität.

Daher sagt uns Jesus : „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage“

(Joh 15,14). 

Wenn wir die Freundschaft mit Jesus als Grundlage für die Bemühungen in der Ökumene sehen, dann werden wir uns als Teil der Menschheitsfamilie sehen. Wir werden so einander mit Respekt begegnen. Wir werden in der Verbundenheit untereinander die Haltung der Solidarität mit Leidenden in ungerechten Strukturen einnehmen. Und wir werden als weitere Konsequenz der Freundschaft auch die Schöpfung achten.

Eine Annäherung in der Ökumene wird die Vielfalt als einen Reichtum erachten. In diesem ist der Einklang anzustreben. Beginnend beim Einzelnen, in Gott verwurzelt und in Verbundenheit mit den größeren Gemeinschaften.

 

Fürbitten (Text aus der Gemeinschaft Grandchamp)

°    Christus sagt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“. Gott, du            bist Liebe. Du suchst uns, du lädst uns ein, deine Freundschaft zu empfangen und in           ihr zu bleiben. Lehre uns, deine Freundschaft immer inniger zu erfahren, und lass und             in ein Leben in Fülle hineinwachsen.

Wir bitten dich erhöre uns.

 

°    Gott des Lebens, du rufst uns, dir zum Lob auf der Erde zu leben. Du willst, dass wir      einander annehmen, weil wir in anderen Menschen ein Geschenk deiner Gnade

     erkennen. Dein liebender Blick, der auf jedem Menschen ruht, mache uns fähig,

     einander anzunehmen, wie wir sind.

Wir bitten dich erhöre uns.

 

°    Gott, du führst zusammen, was getrennt ist. Du verbindest uns in Jesus Christus wie           die Reben eines Weinstocks. Lass den Geist deiner Liebe in uns wohnen, wenn wir in        

     unserer Gemeinde und in ökumenischen Treffen in unserer Stadt zusammenkommen.

     Gewähre uns, dass wir dich voll Freude gemeinsam feiern.

Wir bitten dich erhöre uns.

 

°    Gott, du bist der Winzer, wir sind die Reben. Du rufst uns, mit Wort und Tat in deiner

     Liebe zu bleiben. Lass uns deine Güte spüren, damit wir deine Liebe zu Hause und am      Arbeitsplatz weitergeben können. Hilf uns, Brücken zu bauen und Spannungen zu

     überwinden.

Wir bitten dich erhöre uns.

 

°    Oft meinen wir, das Gebet sei etwas, das wir tun, unsere eigene Leistung. Jetzt sind wir      eingeladen, eine Zeitlang still zu werden und allen Lärm und alle Sorgen in unserm

     Leben und unsere Gedanken hinter uns zu lassen. In dieser Stille bleibt das Handeln

     Gott überlassen. Wir brauchen einfach nur in seiner Liebe bleiben und in ihm Ruhe zu

     finden.

 

Stille – ca. 2 Minuten

(Die Schwestern von Granchamp haben die Bedeutung des Schweigens für das Hören auf das Wort Gottes wiederentdeckt)

 

Wir sind eingeladen, jetzt unsere ganz persönlichen Anliegen zu bedenken und auszusprechen.

Vergessen wir den Dank nicht.

Ein besonderer Augenblick der Verbundenheit, trotz allem Abstand den wir derzeit einhalten müssen, ist wohl das

Vater unser

Beten wir dieses Gebet und denken wir an Menschen, denen wir in der Gemeinde als Nachbarn die Hand und den Friedensgruß gegeben haben.

Wenn jetzt zu wenige in unserer Nähe sind oder auch gar niemand, so würde nun die Anregung passen, bei nächster Gelegenheit jemanden anzurufen. Es dürfen natürlich auch mehrere Personen sein. Wir dürfen das auch als eine Form des Kommunizierens – der Kommunion – sehen.

 

Der ökumenische Gottesdienst schließt mit dem folgenden Gebet:

Seid eins, damit die Welt glaubt! Bleibt in seiner Liebe, geht hinaus in die Welt und bringt Früchte diese Liebe.

Der Gott der Hoffnung erfülle uns mit Frieden und Freude im Glauben, damit wir durch die Kraft des Heiligen Geistes voller Hoffnung leben.

Es segne uns der gütige Gott,

der Vater durch den Sohn und im Heiligen Geist. Amen.

 

Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag und eine gute Woche. Bleibt gesund!

Auf ein Wiedersehen freut sich Hubert, Euer Diakon