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Ökumene

Ökumene und Weltkirche

Brüder und Schwestern auf unserem geliebten Georgenberg!

Viele Jahre - ich denke so seit 2002 - habe ich die Gebetswoche für die Einheit der Christen dazu ausgenützt, um lang und breit zu erklären wieso wir nicht alle "einfach eins" sind in Christus. Eine kleine Erinnerung:

Von Anfang an gab es Auseinandersetzungen. Das sogenannte Apostelkonzil (so 48/50) klärte dann die Streitfragen über Heidenmission und Beschneidung. Die Synode von Jamnia (so um 100) schloss die Judenchristen aus der Synagoge aus. Die Zeit der ökumenischen Konzile (von 325-869/70) der ungeteilten Christenheit versuchten die Wesensgleichheit von Vater und Sohn, die Gottheit des Heiligen Geistes, die göttliche und menschliche Natur in der Person Jesu, der Wille in Christus, Maria Gottesgebärerin etc., etc. zu klären.

Spaltung der Ost- und Westkirche (1054). Das Konzil von Florenz (1442) verkündete, dass alle Nicht-Katholiken (auch Heiden, Juden, Häretiker, Schismatiker) ausnahmslos zum Höllenfeuer verdammt sind.

Im 16. Jahrhundert haben sich die Kirchen der Reformation getrennt und 1870 hat sich die Alt-Katholische Kirche gebildet. Noch der Kodex von 1917 verbot Katholiken die Teilnahme an nicht katholischer Liturgie. Diese unvollständigen Streiflichter zeigen dennoch die Schwierigkeiten in Einheit zu leben auf.

Erst Johannes XXIII. riss in Rom das Steuer herum und kündigte ein Konzil in der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen an. Er gründete noch vor dem Konzil ein "Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen". 1964 wurde dann auf dem Konzil das "Ökumenismus-Dekret" mit großer Mehrheit angenommen.

Seit über 100 Jahren gibt es die Gebetswoche für die Einheit der Christen. In Österreich gehören 14 Kirchen (die römisch-katholische seit 1994) in den "Ökumenischen Rat der Kirchen" an. Vorsitz Mag. Herwig Sturm.

Es gibt seit 1993 ein ökumenisches Direktorium und das Projekt Sozialwort. Einen großen Stellenwert hat auch der ökumenische Weltgebetstag der Frauen am 1. Freitag im März jedes Jahr. Und, last not least, gibt es immer wieder Menschen, denen Ökumene (Einheit in der Vielfalt) ein großes Anliegen ist.

 

Ja, aber wieviel Zukunft hat Ökumene, so fragen manche.

Ist es nicht vielleicht besser, sich mehr auf das Eigene zu konzentrieren als das Gemeinsame zu suchen und zu vertiefen? Die Einheit der Christen war durch Selbstbezogenheit, Abgrenzung, Profilierungssüchte und oft auch Machtstreben immer schon und immer wieder bedroht. Doch damit ist der Blick für das Wirken Gottes verbaut.

Christus ist der Grund für das "eine Haus Gottes", das es gemeinsam zu bauen gilt und in dem es viele Räume und offene Türen gibt. Jesus ist zu unserem Bruder geworden, weil Gott als Mensch in unsere Welt eingetreten ist. Er lebte mitten in der Geschichte der Menschen, er verkündigte, heilte, trat gegen jede Ausgrenzung auf, nahm Leiden und Tod auf sich. Zuvor aber - wie alle Synoptiker (Mk, Mt, Lk) berichten - hält er mit den Menschen, die ihm lieb waren, ein Mahl. Darin stiftete er einen neuen und ewigen Bund, im Essen des Brotes und im Trinken des Weines und im Denken an ihn. Das ist ein unüberbietbarer Auftrag an alle. "Nehmt und esst alle davon!" "Nehmt und trinkt alle daraus!" Da ist nichts und niemand ausgegrenzt, da ist nichts und niemand privilegiert.

Ganz ausdrücklich spricht auch das heutige Evangelium, das wir heute gehört haben, gegen jede vereinzelnde Selbstüberhebung. Bevor Jesus seinen letzten Weg antritt, überlässt er der Welt - uns - sein Testament. "Alle sollen eins sein, wie der Vater in mir ist und ich in ihm bin....damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast."

Auch die Lesung ruft zum Miteinander auf. Sie ist aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher entnommen. Thessalonich war die Hauptstadt der römischen Provinz Mazedonien. Während der 2. Missionsreise hat Paulus dort eine christliche Gemeinde gegründet. Von Korinth aus schreibt es an sie weil dort etliche Spaltungen aufgetreten sind. So um 51/52 n. Chr. ist dieser Brief anzusetzen. Er ist das 1. Schriftstück des Paulus und zugleich die älteste Schrift des Neuen Testaments. Erinnern wir uns, was wir gehört haben : Haltet Frieden - bemüht euch, Gutes zu tun, freut euch und betet ohne Unterlass! Das ist auch das Motto der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2008. Wir wollen alle Unterschiede nicht unter den Teppich kehren, immer wieder darüber nachdenken und untereinander ins Gespräch kommen - mit allen.

Mag. Herwig Sturm, Altbischof der Evangelischen Kirche, Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Christen in Österreich - unser Bruder in Christus - hat eine Vision der Ökumene in 50 Jahren: "Dass die  großen Kirchen einander voll anerkennen, eucharistische Gastfreundschaft pflegen, miteinander ein Forum bilden, um große Themen anzugehen und nach außen mit einer Stimme zu sprechen. Das wird möglich sein, wenn Christen im Geist Jesu leben und beten."

                                                                                      

Gerda Davy  

WELTGEBETSTAG DER FRAUEN

Freitag, 3. März 2017 – Habe ich dir unrecht getan?

Pfarre RODAUN (Schreckgasse 19)

 

Die Liturgie für den WGT 2017 kommt von den Philippinen und ist wieder einmal von höchster Aktualität geprägt. Zu diesem kritischen und entscheidenden Zeitpunkt empfangen wir von den Christinnen von den Philippinen ein besonderes Geschenk: eine bewegende und beeindruckende Liturgie. Wie ein kleiner Strom, der in der Wüste zu fließen beginnt, spiegeln auch Wortmeldungen der Vertreterinnen christlicher Kirchen von den Philippinen die tiefe Quelle unseres Glaubens und ermutigen uns, an der Hoffnung festzuhalten.

Viele kleine Bäche, die zusammenfließen, entwickeln sich zu Strömen, die selbst eine Wüste erfrischen und neu beleben können. Der Weltgebetstag ist eine ökumenische Bewegung und wird weltweit von Frauen aller christlichen Kirchen gemeinsam begangen. Frauen haben die Texte erstellt, eingeladen sind aber ALLE.

 

Gerda Davy